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Bangkok - Paradise City für .......... Kaffee-Liebhaber



Du sitzt in einem gemütlichen stylischen Ambiente, geniest dabei einen Latte macchiato, liest die neuesten Zeitungen und Magazine und im Hintergrund rieselt Lounge- und Jazz-Musik in angenhmer Lautstärke.

Das ist eine Szene wie wir sie alle sicherlich bereits häufig in einem der unzähligen Coffee-Shops in Europa erlebt haben. Es ist nicht ungewöhnlich und gehört für eine kaffeetrinkende Nation wie Deutschland längst zum täglichen Erscheinungsbild.

Aktuell befinde ich mich in Bangkok. Thailand, das Land des Lächelns, ist sicherlich nicht als die Nation der Kaffee-Enthusiasten bekannt, doch wenn ich mich hier umsehe, so sind die Coffee-Shops anscheinend sehr beliebt und es ist oftmals schwer einen Sitzplatz zu ergattern.


Eine von über 80 Filialen der Starbucks-Kette


Doch was ist die eigentliche Motivation sich in einem oftmals viel zu stark herabgekühlten Raum aufzuhalten?

Sind es die neuen fantastischen Kaffee-Kreationenn, wie Latte Macchiato, Cappuchino, Espresso, Americano,Frappe mit den den vielen verschiedenen Geschmacksrichtungen für einen für thailaändische Verhältnisse exorbitant hohen Preis? Im Schnitt kostet ein solches Produkt ein Drittel des durchschnittlichen Tagelohns in Thailand.

Was macht diese Örtlichkeiten so beliebt? Man könnte nun annehmen, dass man hier im fernen Süd-Ost-Asien gerne Tee trinkt. Doch weit gefehlt. Abgesehen von den aus Süd-Korea adaptierten und seit einigen Jahren in die Mode gekommenen "Bubble-Tees" wird Grüner Tee zwar häufig in den japanischen Restaurants zum Essen angeboten und  "Iced-Lemon-Tea" ist in Thai-Restaurants ein beliebtes Getränk, doch einen Thailänder Tee trinken zu sehen, ist ein äußerst rares Bild.


Sind es die anderen Accessoirs, wie....



T-Shirts,



Tassen, Kissen, Taschen, oder.....



Pflanzen?



Hier habe ich wirklich gestaunt, denn Pflanzen im Coffee-Shop habe ich bis dato noch nicht gesehen.





Ich beobachte hier nicht nur westliche Touristen, sondern vor allem Einheimische die diesem weltweiten Kaffee-Trend folgen.

Sicherlich ist die Mehrzahl der Kunden der neuen, finanzkräftigen Mittelklasse in Thailand zuzurechnen, die inzwischen durchaus in der Lage ist, sich auch "Luxus", wie zum Beispiel diesen teuren Kaffeegenuß, überhaupt erst leisten zu können.

Kostet doch die Kaffee-Spezialiät hier in diesen Einrichtungen im Vergleich zu einem der Thai Coffee Shops das Zweifache und im Vergleich zu einem der vielen Straßenstände nahezu das Drei- bis Vierfache.

Besonders bemerkenswert finde ich die zahlreichen Schüler, die sich nach Schulschluß in den Coffee-Shops treffen, um hier die Hausaufgaben  zu erledigen. Sie konsumieren vielleicht nicht unbedingt Kaffee, doch dafür umso öfter die neuen und immer ausgefalleneren Durst löschenden Kreationen.

Jedoch geht es ihnen in erster Linie um die Nutzung der Einrichtung, denn die Shops bieten, mit Tischen und Stühlen in einem klimatisierten Raum, perfekte Bedingungen zum Erledigen der Hausaufgaben.

Beliebt sind vor allem die Shops welche verkehrsgüntisg liegen und das sind in erster Linie die der amerikanischen Coffee-Shop Kette Starbucks. Sie bieten beste Voraussetzungen für Meetings alla coleur.




Ebenfalls eine dort häufig antreffende Spezies, sind Englisch Lehrer. Sie treffen sich hier mit Schülern zum Einzelunterricht und besetzen stundenlang die Plätze.

Das wäre bei entsprechendem Konsum der Kaffee-Produkte sicherlich in Ordnung. Leider verhält es sich in der Realität etwas anders.

Dies veranlasste Starbucks Ende Juli dazu einen eindringlichen Apell per Aushang i ihren Coffee-Shops zu platzieren.


Starbucks Aufruf an die Lehrer: "Trinkt mehr Kaffee, oder verzieht euch."


Der Aufruf trug den Titel "Order more coffee, or get lost". Was soviel bedeutet wie, "trinkt mehr Kaffee, oder verzieht euch."

Diese Aktion hat erhebliche Diskussionen ausgelöst, ist jedoch bei der breiten Masse auf ein positives Echo gestoßen.

Sicherlich trägt das angenehme Ambiente sowie das breite Angebot an Tageszeitungen und Magazinen aller Art zum längeren Verweilen bei.

Auch Freelancer geniesen das Arbeiten in diesen Räumen, wohl nicht zuletzt weil Ihre Wohnung meistens nur aus einem Zimmer mit Bett und ohne einen Schreibtisch besteht. Die  Stromkosten für die Nutzung der Klimaanlage zuhause dürfte ebenfalls ein Argument für den Besuch in einem der klimatisierten Shops darstellen.

Allerdings habe ich mich schon häufig gefragt, ob Thais überhaupt ein Zuhause haben. Die meiste Zeit verbringen sie auf der Arbeit, den Restaurants, in Shopping Malls oder draußen auf der Straße.

Ein weiterer wichtiger Aspekt wurde mir selbst bewußt, als ich zum Schreiben das erste Mal  einen dieser Coffee-Shops aufsuchte. Mich inspirierte die Umgebung mit den verschieden Menschen ungemein und wenn man dann noch einen Fensterplatz hat, so kann man sich vor Inspiration fast nicht mehr retten. Was einem das bunte Treiben auf Bangkok's Straßen und Gehwegen alles bietet, ist unbeschreiblich.

Hier ist wie bei den Schülern zuvor,das Getränk nicht der ausschlaggebende Faktor für den Besuch. Ich sehe es eher als Erlebnis dort zu sitzen und die Inspiration fliesen zu lassen umd neue Ideen zu tanken. Abgesehen davon gehört Starbucks nicht zu meinen beliebtesten Kaffee-Marken. Da habe ich in meinem Apartment sicherlich einen besseren Kaffee.


Black Canyon Coffee und Cafe Nero der gleichen Marke sind eine köstliche Alternative zu Starbucks.


So nutzen viele Freelancer diese Orte um Inspiration zu finden und kreativ zu sein, oder um online ihrer Arbeit nachzugehen. Viele der Freelancer sparen sich dadurch die Anmietung eines Büros. Und wer nun denkt, dass man in Coffee-Shops der großen Ketten kostenlos Wifi bekommt, den muß ich abermals enttäuschen. Auch das ist hier nicht inbegriffen und wird extra in Rechnung gestellt.

Selbstverständlich nutzen die meisten Kunden ihre Smartphones mit einem ohnehin gebuchten Datenpaket für unterwegs. Allerdings gibt es bei den Shops auch Ausnahmen. Die kleineren Shops bieten sehr häufig kostenloses Internet, oder erlauben das Surfen beim Verzehr eines Produktes für eine Stunde. So beispielsweise auch die große Kaffee-Kette Doi-Tung.

Nur das obligatorische Fernsehen fehlt noch. Solange lediglich CNN gezeigt werden würde, hielten sich die Massen der Zuschauer sicherlich noch in Grenzen. Anders jedoch sobald die in Thailand so beliebten Soap-Operas aus Korea über den Äther flimmern, dann wären  diese Dauerzuschauer die größten Rivalen der Englisch Lehrer, bei der Jagd um einen begehrten Sitzplatz.

Doch glücklicherweise bleibt uns das bislang erspart und so beschränken sich dröhnende Fernseher in erster Linie auf Wohnungen, kleine Läden und manchmal an den Straßenständen.

So nutzt der eine diese Coffee-Shops um sich zu entspannen, motivieren oder inspirieren zu lassen, während andere es für Meetings nutzen, um Freunde oder Geschäftspartnen in angenhmer Atmosphäre zu treffen, ohne sich gleich zu einem Essen verabreden zu müssen. Es ist der populäre "Snack" für zwischendurch.

Es gibt jedoch noch einen weiteren Punkt und der wurde mir erst klar als ich eines der Bangkok-Interviews für mein  c l i B-Projekt in einem Coffee-Shop führte.

Ich sprach mit einer Innen-Designerin über ihre Arbeit und Inspiration und wo sie am liebsten arbeitet. Die Antwort kam für mich sehr überraschend und wie aus der Pistole geschossen antwortete sie:

"Obwohl ich ein sehr schönes und großes Büro habe, setze ich mich gerne in einen Coffee-Shop. Hier bin ich kreativ, bekomme kostenlose Inspiration durch Magazine und Menschen und ich versuche schnell und effektiv zu arbeiten."

Das war neu für mich, dass man hier schnell und effektiv arbeitet. Ich geniese die Zeit in einem Coffee-Shop und lass mich auch nicht drängen. Aber ihr Denkansatz war ein anderer, wie sie mir ohne Nachfrage  ausführlich erklärte.

"Wir Thailänder lieben es zu schlafen und können das zu jeder Tages- und Nachtzeit tun, aber ich würde das niemals an einem öffentlichen Ort tun. Bin ich zuhause am Arbeiten, dann kann es passieren, dass ich mich zuerst hinlege und aus dem kurzen Schlaf ein längerer Schlaf wird."

Die Antwort war verblüffend und einleuchtend zugleich: Es scheint eine Art selbsauferlegte Selbstdisziplin zu sein.

Einleuchtend deshalb, weil ich in meinem Apartement unentwegt am essen bin. Zumindest solange mein Kühlschrank gut gefüllt ist. Bin ich unterwegs hält sich mein Appetit sehr in Grenzen.

Kurz und gut, es gibt offensichtlich neben den tatsächlichen Kaffeeliebhabern eine ganze Menge anderer guter Gründe, einem der vielen Coffee-Shops in Bangkok einen Besuch abzustatten.

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