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Poi-Pot - das Tor zu einer anderen Welt

Hier war ich nun, kurz vor der Grenze zu Kambodscha - dem Land, das mich aufgrund der fantastischen Tempelanlagen von Angkor Wat magisch angezogen hatte, bislang jedoch nicht getraut habe, da ich von der Armut, der politischen Situation im Land, sicher auch aus Unwissenheit und vielleicht wegen der mir bis dato total fremden Kulturen in Asien, auch abgeschreckt hatte.

Doch irgendwann kommt der Punkt, wo man entweder sein Leben lang in Träumen versinkt und dem Leben nachweint, oder sich aufrafft, allen Mut zusammenpackt und sich des Lebens besinnt und Träume wahr werden läßt.

Und zufälligerweise läuft gerade ein Song im Internetradio mit dem passenden Titel "began your life"

Doch zunächst der Reihe nach:

Nach der Ankunft an der Busstation in Aranyaprathet gegen 14.00 Uhr wurden wir lächelnd von den Tuk-Tuk-Fahrern erwartet. Wie immer hörte man auch hier „No Problem“. Natürlich war alles kein Problem, sondern lediglich eine Frage des Preises. Und wie immer kann sich das lachende Gesicht der Thais auch schnell in ein mürrisches Gesicht verwandeln.

Ja, leider scheint der Tourismus hier die ansonsten sehr freundliche Art der Thais negativ zu beeinflussen. Andererseits ist mir natürlich auch bewusst, dass Sie in einer großen Bevölkerungsschicht noch lange keinen Wohlstand aufweisen können. Gerade hier im Norden und Osten des Landes herrscht eine große Arbeitslosigkeit und selbstverständlich will jeder hier abends ein Essen seiner Familie auftischen können.

Nachdem wir zu viert, die beiden Mädels, Lousianne und ich, gemeinsam die Grenze passieren wollten und nicht mit dem ganzen Gepäck in ein Tuk-Tuk paßten, organisierte ich zwei Vehikel für zusammen 120 THB.

Das war angesichts der Tatsache, dass Sie zunächst 100 THB pro Tuk-Tuk haben wollten, ein sehr guter Preis. Eventuell auch deshalb, weil wir uns Zeit gelassen hatten und die letzten Reisewilligen aus diesem Bus waren und es anschließend für Sie kein Business mehr gab.

Aranyaprathet ist nicht nur eine thailändische Kleinstadt, sondern auch gleichzeitig ein Verwaltungs-Distrikt/Amphoe Aranyaprathet in Ost-Thailand, der von 1979 bis Mitte der 80-er Jahre - während des Einmarsches der vietnamesischen Truppen in Kambodscha - als Auffangsregion von ca. 300000 Flüchtlingen diente, die vor der drohenden Hungersnot aus Kambodscha geflohen waren.

Darunter befanden sich allerdings auch die sich zurückziehenden Truppen der Khmer Rouge und es profitierte auch die thailändische Armee von den Hilfslieferungen der internationalen Organisation, denn unter Ihrer Obhut wurde die Hilfe verteilt und angeblich hätten Sie sich in einem nicht unerheblichen Maße daran bereichert.

Schon auf dem Weg zur 7km entfernten Grenze konnte man die riesige Zeltstadt zu unserer Linken sehen, die als einer der größten Freiluftmärkte Asiens gilt. Wir hielten uns jedoch nicht mit dem Markt auf, denn wir wollten auf dem schnellsten Weg die Grenze nach Kambodscha passieren.

Es folgte was folgen musste und so legten wir ca. 100 Meter vor der Grenze einen unfreiwilligen Zwischenstop in einer Seitenstraße ein.

Das Tuk-Tuk der beiden Frauen war vor uns bereits dorthin abgebogen und die beiden Frauen waren auch bereits ausgestiegen. Als wir ebenfalls angehalten haben und von dem Mann überaus freundlich begrüßt wurden, war mir sofort klar, dass es sich hier um einen weiteren Scam-Versuch handelte.

Der zuvorkommende Herr wollte uns das Haus am Waldrand auf dem Nachbargrundstück als das Konsulat von Kambodscha verkaufen und sich um alle notwendigen Papiere und eine schnelle Abwicklung für uns kümmern.

Schnell wollte er mit Sicherheit nur Eines, nämlich an unser Geld kommen, doch da hatte dieser die Rechnung ohne mich gemacht.

Gewarnt durch diverse Internetforen war das alles nur „Blabla“ und absolut unnötig und so vermittelte ich dem Mann innerhalb kürzester Zeit, dass er sich das alles sparen kann und seine Zeit nicht weiter vergeuden muss.

Kurzum, wir sind einfach wieder eingestiegen und den Fahreren blieb nichts anderes übrig als weiterzufahren. Das trübte deren Stimmung dann doch beträchtlich bis zum Ende der Fahrt.

Uns war das egal und wir wurden direkt bis an die Grenze gebracht.

Der Grenzübergang war nicht wirklich ausgeschildert und so war ich über die Geste eines recht ärmlich gekleideten Kambodschaners äußerst dankbar, als dieser auf einen der Durchgänge auf thailändischer Seite zeigte. Er deutete mehr mit der Schulter in die entsprechende Richtung, da er einen mittelalterlich wirkenden Holzkarren mit Holzrädern hinter sich herzog.

Überhaupt war der Unterschied zwischen Kambodschanern und Thailänder auf den ersten Blick erkennbar. Nun verstand ich das bereits im Internet gelesene Thailand-Kambodscha-Gefälle. Für die sehr armen Kambodschaner mussten die Thailänder reich wirken.

Wie im Internet zu lesen war, mussten wir zunächst auf thailändischer Seite in ein Office zum Ausstempeln. Hier wurde der Zettel, welchen man bei der Einreise erhält, wieder aus dem Pass entfernt und kontrolliert, ob man seine Aufenthaltsdauer überzogen hatte.

Falls dem so sein sollte, wird dafür eine Geldstrafe fällig. Die Höhe dieses Strafe richtet sich nach der Dauer der Überziehung. Sollte man diese Forderung nicht begleichen können oder wollen, darf man die Strafe auf Staatskosten absitzen.

Doch hiervor sei gewarnt. Selbst der im Vergleich zu Kambodscha „reich“ erscheinende thailändische Staat, bietet kein europäisches Niveau für den All-Inclusive-Aufenthalt an.


Durch meine schnelle Weiterreise nach Kambodscha war damit mein erstes Visa des Tripple Visa bereits aufgebraucht.

Nun mußten wir die eigentliche Grenze, das sogenannte Niemandsland passieren.

Hier wurde einem schnell klar, dass hier wirklich ein Niemandsland existierte. Teilweise hatte man den Eindruck eines Dschungels und dann wieder Ruinen, dazwischen gesprengte Brücken, alles in allem kein schöner Anblick, aber die Grenze zur ehemaligen DDR hatte auch nicht besser ausgesehen.

Es kommt mir vor, als ob sozialistische Regime Ihre Staatsgrenzen absichtlich in so einem Zustand lassen, damit die Abschreckung erhöht wird.

Auch die zu überquerende Brücke hatte schon bessere Tage gesehen und die Vegetation darunter ähnelte einem Urwald. Auf einer zweiten Brücke endeten die Schienenstränge aus Kambodscha kommend unerwartet durch ein abpruptes Ende der Brücke.

Auf kambodschanischer Seite angekommen gab es ein winziges Gebäude, gerade einmal einen Raum groß, wo uns ein Formular unter die Nase gehalten wurde, das wir auszufüllen hatten. Hierbei handelte es sich um den Gesundheitscheck.

Von wegen Temperatur messen etc.., das war heute nicht gefragt. Uns wurde mit dem Finger auf dem Dokument gezeigt, was wir anzukreuzen hatten: „Non infects/Keine Krankheiten“.

Und damit war der Gesundheitscheck für die Einreise nach Kambodscha für uns erledigt.

Weiter ging es zu vier Grenzbeamten, die sich vor einem weiteren winzigen Büro versammelt und uns mit einem weiteren Formular erwarteten. 

Nun galt es unseren Visaantrag auszufüllen. Dabei kann man zwischen einem Business- und Tourist-Visa wählen und man mußte die Gültigkeitsdauer für das Visa eintragen.

Da ich mich für ein Touristenvisa entschieden habe, konnte ich auch die Standardauer von 30 Tagen eintragen.

Das Formular wollten die Beamten mit einem Passfoto und einer Gebühr von 20$ haben. Diese Information konnte man zumindest dem alten blau-weißen Schild über dem Fenster des Büros entnehmen, wo die Staatsdiener die Pässe mit Geld hineinreichten.

Heute wollten die Soldaten 100THB extra haben, denn es gäbe eine neue Verordnung.

Ist klar, ne. Auch das war vorab im Internet zu lesen und so vermieste ich den Soldaten ein kleines Zusatzgeschäft mit uns, indem ich lauthals meine Meinung dazu kund tat: „20$ and not more“.

Dummerweise hatte ich überhaupt keine 20$, denn ich hatte vergessen mir US-Dollar zu besorgen.

Zum Glück hatte Lousianne noch einen weiteren 20$-Schein dabei, den er mir freundlicherweise überließ.

Wenn man, wie unsere beiden Begleiterinnen nur THB dabei hat, dann waren Mitte Februar 2010 900THB zu bezahlen, was bei genauer Umrechnung ungünstiger ist, als in Dollar zu bezahlen.

Nach kurzer Wartezeit bekamen wir die Pässe auch ohne die zusätzlich geforderte Gebühr zurück und konnten unseres Weges ziehen.



Das imposante Tor zu einer anderen Welt - beeindruckend und furchteinflößend zugleich


Vorbei ging es an einem neu renovierten Casino. Nachdem das Glücksspiel in Thailand verboten ist, floriert der Casinotourismus nach Kambodscha  sehr gut. Die Spieler wurden mit Limousinen der Casinos direkt an der Grenze abgeholt, während wir unser Gepäck bei extremer Schwüle schleppen durften.

Nach dem Casino sollten die Ausländer von der linken Straßenseite auf die rechte Seite, denn während die Einheimischen die Grenze auf der linken Seite passierten, war die rechte Straßenseite für die Ausländer vorgesehen. Dort befand sich das Foreigner-Office.

Es passierten so gut wie keine Autos die Grenze. Die Menschen zogen Holzkarren, wie zu Ritterzeiten. Sie waren total ärmlich gekleidet. Manche waren glaube ich froh, überhaupt Kleider auf dem Leib zu haben, auch wenn Sie noch so sehr zerrissen waren.

Ich sah mich inmitten diverser Filmszenen, da ich es einfach nicht glauben konnte, dass es heute noch so etwas auf der Welt gibt.

Einfach unvorstellbar, ich fühlte mich um Jahrhunderte in eine andere Epoche zurückkatapultiert.

Das Foreigner Office war ein absolut heruntergekommenes Gebäude, innen kaum höher als 2,2m Deckenhöhe und mich eher an einen Schweinestall erinnernd, als an ein Office.

Dort mussten wir exakt das gleiche Formular wie den Visaantrag nochmals ausfüllen, wobei der erste Zettel für die Einreise war und dieser hier für die Ausreise in den Pass geheftet wurde.

Dieses Gebäude war richtig eklig und ich wollte nicht mehr wissen, wie um alles in der Welt die Gefängnisse in diesem Land wohl aussahen.

Die hohe Luftfeuchtigkeit und die schlechte Luft in diesem Gebäude, sowie die Wartezeit darin waren so ziehmlich die schlimmste Erfahrung an diesem Grenzübergang.

Trotz der Abfertigung in vier Reihen dauerte es recht lange bis ich endlich an der Reihe war. Der Beamte begrüßte mich freundlich, während er mittels einer Webcam noch ein Foto von mir gemacht hat.

Nun frage ich mich, warum benötigte man überhaupt ein Passfoto? Das wissen wohl nur die Khmer-Götter.

War aus diesem Grund auch eine kleine Ecke den Opfergaben, bestehend aus Wasser und Brot aufgestellt?

Noch bevor ich draußen einen Atemzug frischer Luft einatmen konnte, kam bereits die nächste Kontrolle in Form eines weiteren Beamten, der seinem Dasein Berechtigung verschaffen wollte.

Dieser kontrollierte nun den soeben eingehefteten Zettel im Pass und musterte mich eindringlich.

Ich fragte mich schon, ob ich auf dem Foto nicht wiederzuerkennen sei, als er mir nach endlos wirkenden Minuten, nickend den Pass wieder überreichte und ich mich im Kingdom of Cambodia befand.



Kingdom of Cambodia

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